Nachtrag zur Osteransprache der OB’in: Gasgeben in der Pandemie?

GE/NRW. Wenige Tage nach der Osteransprache von Oberbürgermeisterin Karin Welge am Gründonnerstag, in dem sie mit dem Begriff der Gemeingefährlichkeit in Zusammenhang mit Kindern, wo das Virus seine Kreise zieht, weiterhin zu Achtsamkeit auffordert, sind die Inzidenzwerte am Ostermontag in Gelsenkirchen auf über 200 angestiegen. Die Stadt meldet über das Dashboard den RKI-Wert von 203. Die Süddeutsche meldet mit Hinweis auf weitere Meldungen, die das RKI noch nicht verarbeitet habe, einen Wert von 215.

Angesichts einer Lage in GE knapp unter 200 am Gründonnerstag, und dem Hinweis der Oberbürgermeisterin auf die Gemeingefährlichkeit des Virus, das unter Kindern seine Kreise zieht, ist die NRW-Oster-Sonderregelung mit weiterer Aufhebung von Beschränkungen, die eigentlich ab einem 7 Tage-Inzidenzwert über 100 gelten sollen, und folglich der laxe Umgang der Verantwortlichen im Krisenmanagement von Stadt und Land noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Die Osteröffnung – eine Einladung an das Virus

Die NRW-Oster-Sonderregelung eröffnet für Gemeinden mit einem Inzidenzwert von über 100 ausnahmsweise weitere Kontaktmöglichkeiten:

Ausnahme bei den Ostertagen (1. bis 5. April 2021): hier gelten die Regelungen wie bei einer Inzidenz 50 bis 100, also zwei Hausstände mit insgesamt maximal fünf Personen, Kinder unter 14 Jahren nicht mitgezählt.“

Dem ohnehin bekanntermaßen – zumal unter Kindern(!) – schneller um sich greifenden Virus in der britischen Variante wird an Ostern mithin weiterer Raum zur Verbreitung gegeben. Das ist kaum nachvollziehbar.

Was soll der Sinn weiterer Öffnungen an Ostern sein? Sollte es nicht eine Osterruhe geben, die das Virus an fünf Tagen etwas zurückdrängt?

Wie kann es sein, dass Reden und Handeln der politisch Verantwortlichen im Land, sowie der Verantwortlichen vor Ort so weit auseinanderliegen? Gibt es dafür eine nachvollziehbare seriöse Erklärung? Tatsächlich, gibt es sie seitens zweier Virologinnen, die sich dazu exponieren!

Die Kritik von zwei Professorinnen

Neben Prof. Melanie Brinkmann (Virologin) bei LANZ am Gründonnerstag, hat sich mit der Virologin Isabella Eckerle, die am Corona-Virus bei Kindern in der Schweiz forscht, am Karsamstag eine weitere Kritikerin geäußert. Sie haben das Agieren der Verantwortlichen auf den Punkt gebracht, was es in der Praxis ist. Eine Haltung, die dafür sorgt, dass sich das Virus weiter verbreiten kann. Prof. Eckerle, die auch schon mit Professor Drosten zusammengearbeitet hat, schreibt auf Twitter (privat):

“Ich habe immer mehr das Gefühl, dass die Eindämmung der Pandemie oder auch nur die objektive Auseinandersetzung mit Daten bei einigen Politikern nie das Ziel war, nur die Frage, wie man das jetzt irgendwie laufen lassen kann, ohne hinterher verantwortlich gemacht zu werden.”

Gelsenkirchen ist mit seiner Inzidenz am Gründonnerstag (knapp unter 200) und Ostermontag (über 200) ein gutes Beispiel. Diese Werte werden mit steigenden Zahlen am Mittwoch weiter bestätigt werden, nachdem im Alltag wieder getestet wird. Übrigens, was ist das für eine Krise, in dem das Motto offiziell lautet:

„Schutzverordnung verbindet Notbremse und Teststrategie“

Aber an den Osterfeiertagen keine Testmöglichkeit besteht, obwohl an diesen Tagen Zusammentreffen im Privaten vermehrt ermöglicht werden. Das mutet eher an wie:

„Schutzverordnung verbindet Notbremse mit Gasgeben
vermittels Öffnungen an Ostern“

Kinder spielen viral eine Rolle – die Politik ignoriert das

Dass Kinder und Jugendliche in der Impfstrategie keine Rolle spielen, weil die Bundesregierung ihnen im Alter unter 18 Jahren kein Impfangebot machen wird, passt ins Bild. Folgerichtig fällt Prof. Melanie Brinkmann bei LANZ, wie von den Medien richtig beobachtet, ein hartes Urteil über die Lockerungen in Zeiten steigender Fallzahlen:

„Was wir jetzt hier machen, ist ein Durchseuchungskurs.“

Oberbürgermeisterin Karin Welge hat in ihrer „Gemeingefährlichkeits-Osteransprache“ nichts anderes zum Ausdruck gebracht, da sie das unter Kindern kreisende Virus als gemeingefährlich bezeichnet, es aber an Gegenmaßnahmen vor Ort bei bereits bestehendem Grenzwert entlang einer 200er-Inzidenz vermissen lässt.

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