Lebensqualität in Gelsenkirchen – nur in Abhängigkeit von mehr Geld ?

Gelsenkirchen. Steffen Gaux, Chefredakteur der WAZ-Lokalredaktion in Gelsenkirchen, nimmt zur aktuellen Studie des ZDF über den letzten Platz (401) der Stadt Gelsenkirchen Stellung.

Diese Stellungnahme kritisiere ich wie folgt:

Nach einem langen Plädoyer für das Individuelle, folgt ein wenig überraschend, ein kurzes und knackiges Plädoyer für die Allgemeingültigkeit örtlicher Faktoren. Frei nach dem Grundsatz: Gegensätzlich muss ja nicht widersprüchlich sein.

Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass die rechtlichen Grundlagen einer solchen Bewertung über Art. 72 Abs. 2 GG und § 2 Raumordnungsgesetz in den Kommentar eingeflossen wären. Bei einem Lokalredakteur kann man das aber wohl nicht verlangen. Das wäre ja das Niveau einer FAZ oder Süddeutschen und das hat die WAZ nicht, und da will sie auch nicht hin. Die WAZ will den Menschen einfache Wahrheiten verkaufen. Das ist hier gelungen.

Das ist vor allem deswegen gelungen, weil der Anteil der Verwaltung und der örtlichen Politik an dem Thema herausgelassen wird. Das ist ganz im Sinne einer Hofberichterstattung für die eine Verlagsgruppe, die sich aus Gewerkschaftssicht wohl eher als Transmissionsriemen von PR sieht, steht.

Insgesamt aus dieser Perspektive also ein perfekter Blick auf die Lage vor Ort, die die Arbeitslosenquote, die tatsächlich ca. 30 % beträgt und die damit verbundenen Veränderungen der Lebensverhältnisse in den Quartieren, wie sie zum Beispiel eine Studie von Prof. Strohmeier speziell zur Lebenslage und Zufriedenheit von Familien in Gelsenkirchen festgestellt hat, außer Acht lässt.

Was der Zuzug nach Gelsenkirchen in diese Richtung bewirkt hat, wäre ebenfalls als Teil von abhandengekommener Lebensqualität z.B. durch zunehmende Vermüllung des öffentlichen Raums auch öffentlich zu bewerten – was angesichts der Versuche, dies herunterzuspielen, kleinzureden oder wegzulassen in der Bevölkerung zu weiterer Abnahme von Lebensqualität in der Stadt führt, weil sich die BürgerInnen und Bürger von Verwaltung und Politik nicht verstanden fühlen.

Obschon die zuständige Stelle (Ref. 47 – Uwe Gerwin) wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ansich eine gute Arbeit macht, fragt sich, ob und wie der absteigenden Tendenz insgesamt entgegengewirkt werden kann; hierzu muss eine deutlichere Positionierung folgen, wie dies Inge Ansahl im Herbst 2017 öffentlich feststellte, was es denn bedeute, „Wenn weitere Generationen ins Erwachsenenleben starten, die sich an ein vom Staat finanziertes Leben mit kleinem Geld gewöhnt haben – wohin führt das eine Stadtgesellschaft , die schon heute viele soziale Bruchstellen hat…?“

Der Diskurs in diese Richtung muss stattfinden. Die Verwaltung und der Hauptverwaltungsbeamte muss alle Studien hierzu – speziell die von Prof. Strohmeier – auf der städtischen Website veröffentlichen. Es braucht mehr Transparenz und offenen Umgang in dieser Stadt zu allen Themen. Auch das macht Lebensqualität aus; das Gefühl das man als Bürger etwas nachvollziehen und bewirken kann. Diese Selbstwirksamkeitserfahrung wäre als Teil von Lebensqualität viel wert. Wer als Stadt nicht viel Geld hat, muss Unternehmer und Bürger als echte Partner mit ins Boot holen. Dieser Mangel wäre leicht zu beheben, wenn nicht die Verwaltung und die SPD-Mehrheitsfraktion so unendlich an ihrem Gefühl von Macht hängen würden, die sie um keinen Zentimeter aus den Händen geben wollen.

Und so bleibt die Frage, woher noch mehr Geld kommt, als einzige Möglichkeit im Öffentlichen Raum; anstatt auf ein Teamplayer-Konzept zu setzen, bei dem andere Ressourcen außer Geld eine wesentliche Rolle für die veränderten Lebensbedingungen in der Stadt herbeiführen könnten. (JS)

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