Moderne Kommunalverwaltung oder das fehlende „Jippie“ des Klaus Rostek

Gelsenkirchen/Potsdam. In dem Artikel der WAZ vom 8. Februar 2017 berichtet Frau Ansahl über die Herangehensweise der Stadt Gelsenkirchen um die Bäderlandschaft neu zu ordnen. Dabei schreibt sie über den Leiter der Steuerungsgruppe Klaus Rostek, der sich als Büroleiter des Büros von Stadträtin Annette Berg nicht um den Leiterjob gerissen haben soll, wie folgt:

„Er räumte ehrlich ein: „Ich bin nicht durch die Verwaltung gerannt und habe geschrien ,Jippie, ich mach das Bäderkonzept!“ 

Welche politische Zielrichtung unterstützt die WAZ mit ihrem tendenziösen Bericht?

Die Frage, die sich im Anschluss an das „Jippie-Zitat“ stellt, ist die: Was beabsichtigt die WAZ mit einer solchen Berichterstattung über den Leiter der Steuerungsgruppe „Bäder“ Klaus Rostek und seine direkte Vorgesetzte Annette Berg.

Klaus Rostek und Annette Berg

Über die zentrale Figur des Klaus Rostek wird in dem Artikel das ein oder andere ausgesagt, was kritisch hinterfragt werden muss, da es auf den ersten Blick offensichtlich unrichtig erscheint. Dazu gehören folgende Punkte:

  1. Klaus Rostek sei Büroleiter im Büro der Annette Berg. Die WAZ schreibt:
    „Dagegen verwahrte sich Dezernentin Annette Berg ausdrücklich. „Die Betriebsamkeit ist in meinem Haus bei diesem Thema sehr hoch. Ich habe dafür sogar meinen Büroleiter hergegeben.“ Falsch ist natürlich die alleinige Fokussierung auf die Büroleiterposition von Klaus Rostek. Er ist im Anschluss an den Ratsbeschluss vom 1.12.2016 – vgl. dazu die Drucksachenvorlage 14-20/4023 – vom OB, in Abstimmung mit dem Vorstand für Sport (= Annette Berg), als Sportbeauftragter der Stadt Gelsenkirchen beauftragt worden. Brisant ist dabei die Tatsache, dass der Sportbeauftragte Klaus Rostek gleichzeitig Büroleiter des gerade erst in ihrem Amt eingeführten Verwaltungsvorstandsmitglieds Annette Berg ist, die nun – nolens volens – auf ihren Büroleiter eine nicht unerhebliche Zeit verzichten muss; wobei sich fragt, wie sie als Neue im Amt nun ihre vielfältigen Amtsgeschäfte erledigt, ohne das der Eindruck entsteht, dass sie das grad mal so eben hinbekommt. Letzteren Eindruck unterstützt der WAZ-Bericht.Aber auch eine andere Auslegung ist möglich. Vielleicht will Frau Ansahl von der WAZ mit diesem Bericht der Neuen politisch unter die Arme greifen, damit sie ihren Büroleiter voll einsatzfähig schnellstmöglich wiederbekommt? Aber natürlich darf man die Frage stellen, warum Klaus Rostek den Job des Leiters der Bäderkommission machen soll. Aber nicht, weil er der Büroleiter von Annette Berg ist, sondern weil er eine andere Funktion hat, die ihn dazu angeblich prädestiniert, was durchaus hinterfragt werden darf.
  2. Annette Berg ist nicht irgendeine Dezernentin. Sie ist STADTRÄTIN und Beigeordnete im vielfältigen Vorstandsbereich 4 – Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration. In diesem Zusammenhang hat sie die interessante Aufgabe übernommen, nachdem Pia Steinrücke, die bereits zur Nachfolgerin als neue Jugendamtsleiterin ernannt war, im kritischen Bereich der Neupositionierung des Jugendamts zu wirken, das durch den Jugendamtskandal beider Leiter beraubt worden war. Daher ist es nicht naheliegend, dass die Stadträtin Berg ohne Probleme auf ihren Büroleiter lange Zeit verzichten kann.
  3. Die Frage, warum ein Büroleiter einer neuen (!) Dezernentin als Sportbeauftragter den umfangreichen Aufgabenkomplex leiten soll, muss angesichts der ersten wenig erfreulichen Meldungen von Klaus Rostek gestellt werden.Sollte der Oberbürgermeister seiner Führungs- und Kontrollfunktion in diesem Zusammenhang nicht besser nachkommen. Sollte der OB nicht modernes Verwaltungs- und Führungsmanagement an den Tag legen!?Daran wollen ihn die Kritiker aus den Ratsfraktionen CDU und GRÜNE erinnern, indem sie zur Erfüllung des Ratsbeschlusses mahnen, der vorsieht, dass im Februar erste Ergebnisse vorgelegt werden sollen, welche Alternativen es gibt und wie eine Bürgerbeteiligung an der Entscheidung ausgeübt werden kann. Klaus Rostek hat hingegen, gegen diesen terminierten Ratsauftrag zur Berichterstattung, geäußert:„Eines sei klar, so Rostek: „Wir können im Februar noch keine Ergebnisse präsentieren.“

Es ist naheliegend, wenn der Rat im Vorfeld einer solchen Berichterstattung sich an seine Überwachungsfunktion gemäß der Gemeindeordnung NRW erinnert und die Einhaltung von Vorgaben einfordert.

Moderne Verwaltung: Planung und Aufsicht – in Gelsenkirchen noch unbekannt?

Gleichwohl ist es zielführend an dieser Stelle zu fragen, ob mit der Einsetzung von Klaus Rostek durch Oberbürgermeister Frank Baranowski – sowohl im Hinblick auf die Führungsverantwortung der neuen Stadträtin Annette Berg – als auch im Hinblick auf eine moderne Verwaltungsplanung zur Bäderneukonzeption, nicht bessere Überwachung inkludiert werden muss.

Moderne Verwaltung ermöglicht Beteiligung und Mitsprache beim Bäderkonzept!
Moderne Verwaltung ermöglicht Beteiligung und Mitsprache beim Bäderkonzept!

Sollte nicht ein neues Führungsrollenverständnis gerade in der Position des Leiters der Bäderkommission – vor allem wegen des komplexen Themas der Bürgeranbindung im Beziehungsgeflecht Bürger/Politik/Verwaltung – durch einen neuen, modern ausgebildeten Leiter ausgefüllt werden, der möglicherweise in der Person von Martin Wente zur Verfügung steht, der auch vom Gehaltsgefüge her mit den anderen sechs Personen in der Steuerungsgruppe ein Stück weit eher auf Augenhöhe für eine größere Kommunikationsnähe spricht.

Eine neue Führung mit neuen Leitbildern

Ein moderner Planer¹ als Leiter der Bäderplanungskommission, der in einem sozialen Umfeld nach modernen Leitbildern agiert, scheint mir zumindest im vorliegenden Fall – zumal nach den mir vorliegenden Erkenntnissen des Jugendamtskandals –  dringend vonnöten.

Das impliziert, dass mit einer neuen Leitung der Schwerpunkt der Führungsarbeit auf die wirtschaftliche und bürgerschaftliche Beteiligungsmöglichkeiten, statt wie bisher auf die sportliche Seite, hin verlegt wird. An dieser Stelle wäre die Frage neu zu stellen, die mir im Anschluss an den Ratsbeschluss vom 1.12.2016 inhaltlich nicht hinreichend geregelt zu sein scheint, welche Vertreter für die Seite der privaten Investoren und der bürgerschaftlichen Beteiligung mit in die Steuerungsgruppe aufgenommen werden können, damit diese Themen – wie bislang absehbar – nicht unter den Tisch zu fallen drohen.


¹ „In der Verwaltungspraxis scheint die Überwachung als Führungsfunktion im Vergleich zur Planungs- und Realisationsfunktion eine geringere Relevanz zu haben. Dabei wird verkannt, dass die Überwachung das notwendige Pendant zur Planung ist – wie die Vor- und Rückseite der gleichen Medaille. Planung, ohne sich später zu fragen, ob das Geplante auch tatsächlich erreicht worden ist, ist sinnlos. Zumindest ist es keine empfehlenswerte Handlungsalternative. Es fehlt dann auch der belastbare Ausgangspunkt für neue Planungen. Weiterhin ist es ein Missverständnis anzunehmen, dass für die Überwachung (nur) die Prüfer zuständig sind. Eine solche Auffassung verkennt, dass Überwachung eine originäre Führungsfunktion ist!“
Prof. M. Richter

 

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