„Diese Ereignisse“ und ein Integrationspreis für einen Bundesrichter

Gelsenkirchen/Hamburg. Die Stadtpolitik ist nicht immer leicht zu verstehen. Da spricht Prof. Goch vom Institut für Stadtgeschichte, auf einer von OB Baranowski besuchten Veranstaltung mit dem Journalisten Ismail Saymaz, über „diese Ereignisse“ – ohne zu nennen, was er damit konkret meint, wenn er Putsch und Gewalt verurteilt. Wie er darüber offen diskutieren will, ist angesichts der Unbestimmtheit des Themas, das sich erst im Hintergrund konkret aufbaut, ein Unding.

Integra Award des IBC

Prof. Fischer, Bundesrichter u.a.m.

In diesen Zusammenhang passt die Meldung im Stadtspiegel vom 09.11.2016, wonach der diesjährige Integra Award an einen Bundesrichter geht, der aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ mit seiner Kolumne bekannt ist. Sein Name: Prof. Dr. Thomas Fischer.

Der Stadtspiegel zeigt ihn im Bild mit der Laudatorin Sabine Rückert, die stellvertretende Chefredakteurin der Wochenzeitung. Die Stadt Gelsenkirchen gibt dazu keine Pressemitteilung heraus. Obwohl der renommierte Strafrechtler (StGB-Kommentar-Herausgeber und Richter am BGH) mit seinen „Zeit“-Beiträgen hohes nationales Ansehen genießt und die Stadt sich geehrt fühlen darf, das Prof. Fischer zur Preisverleihung nach Gelsenkirchen-Buer ins Schloss-Berge gekommen ist. Normal hätte ihn OB Baranowski persönlich begrüßen müssen. Er ist aber nicht mit auf dem Bild.

Im Wissenschaftspark ist er jedoch Teilnehmer der Diskussion, zu welchem Thema auch immer.

Rate-Bild: Wer ist Armin Laschet? Der Mann rechts, oder links?

Ach ja. Für was Prof. Fischer den Preis bekommen hat, ist im Stadtspiegel-Artikel nicht genannt; haben die Journalisten nicht rausgehauen. Die Überschrift „an einen Bundesrichter“ scheint eine Ente zu sein. Was hat ein Richter am Bundesgerichtshof für Strafrecht mit Integration zu tun? Vielleicht gab er Strafnachlass, weil sich Ausländer mit deutschem Strafrecht nicht so auskennen? Wohl eher nicht! „Ausländerkriminalität“ ist ein vielschichtiges, kompliziertes und interessantes „Phänomen“ und Forschungsgebiet.“, sagt Prof. Fischer in seiner ZEIT-Kolumne. Das wäre ein Ansatz. – Obwohl? Wäre das preisverdächtig? Dann könnte auch die Forderung die Integrationsräte abzuschaffen, preiswürdig sein. Das wäre zu einfach.

Zukunftsträchtig – Eine Preisverleihung ohne Inhalt

Auf der Vereinsseite zum Integra Award steht noch gar nichts. Ist irgendwie für die Vorjahre auch nicht vorgesehen, dort etwas zum Inhalt der Preisverleihung zu beschreiben. Das erfährt man nur, wenn man recherchiert. Für Armin Laschet – Preisträger im Jahr 2014 – habe ich das mal exemplarisch gemacht. Er selbst wusste immerhin, wofür er den Preis erhalten hat.

Worum geht es hier eigentlich? Recherche!

Recherche ist dann auch das Stichwort zur Veranstaltung mit dem Journalisten Ismail Saymaz im Wissenschaftspark. Was hat er denn dort inhaltlich von sich gegeben zu den „Ereignissen“?  Sein für mich wichtigster Satz lautet:

„Die Inhaftierung der HDP-Abgeordneten sowie zahlreicher Journalisten kritisierte er scharf. Solche Vorgänge würden denjenigen helfen, die immer noch hinter dem Putsch stehen.“

Was daran informativ sein soll, darf sich jeder selbst beantworten und durch eigene Recherche ermitteln.

In diese Richtung – über was reden wir hier eigentlich? – möchte ich Prof. Fischer aus einen seiner Kolumnenbeiträge zitieren:

„Welche „Ausländer“ gibt es bei uns überhaupt? Viele sagen „Ausländer“ zu Menschen, die seit Jahrzehnten Deutsche sind, zu Kindern und Kindeskindern von Menschen, die in den 1960er, 1970er Jahren nach Deutschland eingewandert sind. In Versammlungen rechtsradikaler Einfaltspinsel reklamieren „Deutsche“, deren Wurzeln irgendwo im Balkan liegen, eine Vorherrschaft gegenüber den Enkeln mutiger Arbeiter, die 1970 aus Anatolien ans Ende ihrer Welt gereist sind, um die amerikanische Automarke Ford in Köln groß zu machen. Da ging es nie um Biologie, sondern immer nur um Macht und Ohnmacht. Wer ist „deutscher“: Der studierte Enkel eines 1961 eingewanderten Pizzabäckers, oder der Mecklenburgische „Kamerad“ ohne Schulabschluss, aber mit rumänischem Großvater und amerikanischer „Bomberjacke“?

Oder mit seinem Schlusswort aus seiner Böhmermann-Kritik – inklusive Kritik an Herrn Er. und Frau Dr. M – selbst zum Schluss kommen:

Damit ist bewiesen, „dass es beim besten Willen nicht habe erwiesen werden können, dass er irgendwas und irgendwen gemeint hat. Mein lieber Mann! Genau so, sagte schon Hegel, der Urvater der phänomenologischen Comedy, muss Satire sein, damit sie alles darf!

Fazit

Vielleicht stellt sich für Gelsenkirchener irgendwann noch ein Mal heraus, wofür Prof. Fischer den Integra Award erhalten hat, und was Journalist Ismail Saymaz eigentlich sagen wollte. Bis dahin gilt der phänomenologische Imperativ „Das nicht sein kann, was nicht sein darf; sprich: keinen Preis erhält! Oder, einen Preis erhält und nicht weiß, warum. Oder sich informativ äußert, ohne was zu sagen…

PS: Auflösung zum Grund für Prof. Fischers Preis – (Für all diejenigen, die keine ZEIT haben):
„Den Mitgliedern des IBC ist Bundesrichter Professor Thomas Fischer durch seine Kolumne in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE aufgefallen. Besonders begeistert hat sie die Tatsache, dass er kaum ein in der Gesellschaft breit diskutiertes Thema auslässt, zu fast allen Themen etwas zu sagen hat und immer den juristischen und sachlichen Blick auf die Dinge behält. Der Vorschlag, ihn auszuzeichnen, wurde ohne Gegenstimme angenommen.“

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