Gelsenkirchen ist nicht Barcelona – Antizyklische Entwicklung zur Stärkung der Wirtschaft

Gelsenkirchen/Barcelona. In Barcelona, so zeigte die gestrige 3Sat-Doku, werden die Autos wieder aus den Städten verbannt. Es werden vermehrt Bäume gepflanzt, um das Stadtklima zu verbessern.

Barcelona ist eine Stadt, der es wirtschaftlich gut geht. Gelsenkirchen ist das genaue Gegenteil davon.

In Gelsenkirchen werden dementsprechend auch genau die gegenteiligen Maßnahmen ergriffen. Verbesserungen werden angedacht um die Autos wieder in die City zu holen. Bäume werden abgeholzt, um Sichtfreiheit herzustellen. Rücksicht auf das Stadtklima – Fehlanzeige!

Das hat, wie gesagt, den oben genannten Grund. Wo die Wirtschaft am Boden ist, sind Maßnahmen zur Bewältigung des schlechten Stadtklimas kontraproduktiv. Folglich wird im Vorfeld eine Baumschutzsatzung geändert und Bäume werden im Zuge von Stadtentwicklungsmaßnahmen auch abgeholzt, obwohl sie unter die Baumschutzsatzung fallen.

Bäume haben in Gelsenkirchen nicht mehr Rechte als die Bürger

Beim Cafehausbesuch hörte ich vom Nebentisch wie eine Gruppe eine Aktion plant, um die alten Bäume zu schützen.

Das muss man sich mal vorstellen. Die Grundrechte einzelner werden in Gelsenkirchen durch die Androhung von Verwaltungsgebühren zur Beantwortung von Bürgeranfragen per Ratsbeschluss in ihrem Wesensgehalt beschnitten. Damit wird den Bürgerinnen und Bürgern das Petitionsrecht aus Art. 17 GG iVm. § 24 GO NRW gekappt; aber die Bäume, die unter die Baumschutzsatzung fallen, und trotzdem gefällt werden sollen, wollen die Bürger retten. Damit bekommen die Bäume einen höheren Stellenwert bei den Bürgern als ihre eigenen Grundrechte.

Was ist aus diesem Land geworden, wo sich die Zustände so dermaßen verändert haben, dass die Bürger für Rechte von Bäumen demonstrieren – von „Anketten an den Bäumen“ war am Nebentisch im Cafe die Rede – sich aber in ihrem Petitionsgrundrecht anstandslos und ohne Murren beschneiden lassen?

Gelsenkirchen plant jedenfalls angesichts der globalen Bedrohung antizyklisch. Die Wirtschaft muss florieren. Sonst geht es der Stadt bald wie Oberhausen oder Duisburg. Das kann nicht sein. Das Wirtschaftspotential dieser Fussballstadt ist höher. Ein Abstieg in die vierte Liga muss verhindert werden.

Tatsächlich hätte man dann aber die Ahstraße wieder für den Autoverkehr öffnen sollen, anstatt sie für Fußgänger zu pflastern. Da hinkt Gelsenkirchen den Bestrebungen der Werbegemeinschaft Wanne-Eickel doch meilenweit hinterher.

Vorbild Wanne-Eickel – Weitere Verkürzungen der Fußgängerzone

In ihrem TV-Auftritt – am 8. Sept. im WDR/daheim und unterwegs – wurde vonseiten der Werbegemeinschaft für Wanne-Eickel aufgezeigt, dass der Rückbau der City zur Öffnung des Autoverkehrs für die bedrohliche Wirtschaftslage der richtige Schritt ist. „Eine gute verkehrliche Anbindung und infrastrukturelle Ausstattung“, wie es im Stadtumbaukonzept heißt, und „eine Konzentration des Einzelhandelsbereiches“ – die

Ausbau der Tram in Barcelona-City
Ausbau der Tram in Barcelona-City

Fußgängerzone wird weiter verkürzt – sind die richtigen Schritte in die falsche Richtung für das Stadtklima, aber gut zur Generierung von mehr Wirtschaftskraft.

Gelsenkirchen ist nicht Barcelona

Smart Shopper - Einkaufen in der City - mit dem Auto!
GE Smart Shopper: Einkaufen in der City – mit dem Auto!

Wir sind schließlich nicht Barcelona. Auch in Gelsenkirchen fliegt man nicht zum Einkauf in die City und weiter mit der Tram, sondern fährt mit dem Auto.

Es fehlt aber noch an einer weitergehenden Anknüpfung an das Modell Wanne-Eickel. Das Beseitigen von Bäumen, ohne Rückbau der Fußgängerzone um das Auto wieder einkaufsfähig zu machen, allein ist zu wenig.

Es handelt sich Übrigens nur um ein Gerücht, dass ein führender Kommunalpolitiker zu den anstehenden Protesten bereits gesagt haben soll: „Die sollen sich einen Baum in ihren Garten pflanzen, wenn sie Bäume mögen. Dann können sie Bäume umarmen oder sich an sie ketten, solange sie wollen. Wir brauchen eine antizyklische Stadtentwicklung. Scheiß was auf das Klima. Wir sind hier nicht in Barcelona.“

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